Karolin Back /


2017

shut up and play

Fotografien, 150 cm x 100 cm

Im Gespräch beschreibt Karolin Back die Verärgerung, die Betrachterinnen und Betrachter vor der Arbeit Shut up and play empfinden, die ein Durchblicken auf das Motiv nicht mehr zulässt. Zwar stehen am Anfang der Serie persönliche Fotografien aus der Vergangenheit, die der Künstlerin etwas bedeuten. Das jedoch, was wir in den Fotografien sehen, ist das Ergebnis eines Prozesses der Verfremdung, in dem sich Abfotografieren, Ausdrucken und das manuelle Verformen und Bearbeiten des Papiers durch Zerreißen, Zerschneiden, Falten und Zerknüllen abwechseln. Die Bilder vereinen sieben bis fünfzig Arbeitsschritte, sie werden so zu Produkten, denen wiederum auch ein zeitlicher Prozess eingeschrieben ist. Back legt hier nicht mehr, wie in den Wellenbildern der Serie 00:01, Bilder nachträglich übereinander, sondern es sind verschiedene Zustände des bearbeiteten und abfotografierten Papiers in einer einzelnen fotografischen Darstellung bereits verschränkt. Das Ergebnis sind räumlich wirkende Fotografien, in die sich Gesten der manuellen Bearbeitung des Papiers ebenso eingeschrieben haben wie die Höhen und Tiefen des skulpturalen Papierobjekts. Jeder Zustand greift die letzte Fotografie auf, erweitert um einen manuellen Eingriff der Künstlerin. Die Fotografien stellen nicht externe Objekte dar, sondern machen sich selbst zum Thema, der mediale Charakter wird hier zu einem Objektcharakter. Das Besondere an dieser Abstraktion ist, dass ihre räumliche Wirkung den Rahmen ihrer in der Aufzeichnung vorgegebenen Zweidimensionalität aufbricht und uns so eine Erfahrung der Betrachtung von Fotografie ermöglicht, die Fläche und Raum verbindet. Statt Bildern sehen wir fotografische Dinge, oder besser Fotografien, die einen Gegenstand erst generieren, anstatt ihn zu fixieren oder abzubilden.

Svenja Paulsen, Textauszug aus dem Katalog: Play Loud / Talents40 / C/O Berlin


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